Straßen voller Menschen, Märkte voller Düfte und eine Zeitreise vom Mittelalter in die Moderne. So lässt sich Marrakesch beschreiben. Nachdem wir einige Tage lang eine Rundreise bis in die Sahara gemacht haben, war es nun an der Zeit die bunte und hektische Stadt Marrakesch kennenzulernen. Zu Fuß haben wir das Labyrinth aus engen Altstadtgassen erkunden und dabei die Speicherkarte unserer Kamera voll geknipst. Hier versuchen wir ein paar unserer Eindrücke mit euch zu teilen.

Gastfreundschaft und Kultur in Marokko

Marokko ist definitiv eines der gastfreundlichsten Länder, dass ich je besuchen durfte. Wo auch immer ihr hinkommt, ihr werdet herzlich begrüßt und bekommt einen frischen Tee serviert. Die meisten Einheimischen sprechen übrigens sehr gutes Englisch, Französisch und natürlich Arabisch, sodass man überall leicht kommunizieren kann. Schon bei der Ankunft in unserem Hotel Riad Heklek haben wir uns wie ein Teil der Familie gefühlt. Es wurde gemeinsam Tee getrunken und dabei über Marrakesch, die besten Restaurants und Märkte geplaudert.

Riads sind übrigens typische Unterkünfte in Marokko. Sie haben einen Innenhof bzw. inneren Garten – meist sogar einen Brunnen oder Pool. Der Begriff kommt vom arabischen Wort für Garten riyāḍ. Ihr solltet unbedingt mindestens eine Nacht in einem Riad verbringen. Mitten in der hektischen Stadt sind sie eine Oase der Ruhe.

Do’s und Don’ts

Um den freundlichen Marokkanern nicht vor den Kopf zu stoßen, solltet ihr aber auch einige Regeln beachten: In der orientalischen Kultur ist es nicht gerne gesehen, wenn Männer fremden Frauen die Hand geben. Es gilt als respektlos. Ich habe leider beim Check-In im Riad nicht daran gedacht und unserem Gastgeber die Hand gereicht, aber er hat sich zum Glück nicht aus der Ruhe bringen lassen. Trotzdem habe ich mich danach bemüht, mich daranzuhalten. Außerdem ist es Nicht-Muslimen verboten Moscheen zu betreten. Leider mussten wir einige Male mit ansehen, wie einige Touristen es trotzdem versucht haben.

Vor der Reise nach Marokko habe ich gelesen, dass Frauen zu jeder Zeit die Schultern und Knie bedeckt halten sollten. Natürlich habe ich meinen Koffer entsprechend gepackt. Allerdings scheint diese Regel nicht mehr so streng befolgt zu werden. Zumindest kamen mir sehr viele Touristinnen entgegen, die sich (bei knapp 40 Grad Außentemperatur) nicht daran gehalten haben. Falls ihr nicht genug längere Sommerhosen habt, dann müsst ihr euch also nicht extra neue kaufen.

Sehenswürdigkeiten

Der Spaziergang durch Marrakesch ist an sich schon ein Erlebnis. Besonders die Medina, umgeben von gewaltigen Stadtmauern ist von chaotischen verlaufenden, engen Gassen geprägt – aber auch einigen großen Hauptstraßen, die euch immer wieder auf den richtigen Weg führen. Hier müsst ihr jederzeit aufpassen, nicht von einem Roller überfahren zu werden. Die Altstadt hat die meisten Sehenswürdigkeiten zu bieten und gibt euch das Gefühl, eine Zeitreise ins Mittelalter zu unternehmen. Hier haben wir unsere persönlichen Highlights für euch gesammelt:

  • Bab Agnaou und Bab Er Robb: Die beiden wuchtigen Stadttoure Bab Aganou und Bab Er Robb zählen zu den ältesten in Marrakesch und bilden die Grenze zwischen der Altstadt (Medina) und dem ehemaligen Regierungsviertel (Kasbah). Sie waren nicht zur Verteidigung gedacht, sondern rein repräsentativ – deshalb sind sie sehr aufwendig verziert.
  • Palais de la Bahia: Am Rand der südlichen Medina befindet sich der Bahia-Palast. Die 8000 qm große Anlage wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut. Hier erlebt ihr hautnah die Grundlagen maurischer Palastarchitektur: strenge Symmetrie von Zimmern, Hallen und Höfen, das Spiel mit Licht und Wasser und das Bemühen, ein eigenes kleines Paradies im Innenhof zu schaffen.
    Geöffnet: täglich von 9:00-16:30 Uhr, Eintritt: 10 Dirham

    • Gegenüber des Palastes findet ihr die Grande Bijouterie. Eine Halle mit etwa 50 kleinen Schmuckläden. Hier findet ihr garantiert ein Andenken an eure Marokko-Reise!
  • Palais El-Badi: Im Süden der Medina liegen die Ruinen des El-Badi Palast. Diese waren während unseres Besuchs in Marrakesch leider wegen Filmarbeiten geschlossen. Der Ort steht für unsere nächste Reise nach Marokko aber definitiv wieder auf der To Do-Liste, da die Ruinen super beeindruckend und prunkvoll sein sollen.
    Geöffnet: täglich von 9:00-16:45 Uhr, Eintritt: 10 Dirham
  • Da-Si-Said-Museum: Auch hier hatten wir leider Pech – Das Museum war leider geschlossen wegen eines Umbaus. Falls ihr mehr Glück habt, solltet ihr einen Abstecher in das Museum machen: Die Ausstellung residiert in einem ehemaligen Palast und zeigt traditionelle marokkanische Handwerkskunst.
    Geöffnet: Mittwochs bis Montags, 9:00-16:45 Uhr, Eintritt: 10 Dirham

Moscheen

Die Skyline von Marrakesch wird bis heute von den Minaretten der vielen Moscheen geprägt – Nachts werden diese mit der richtigen Beleuchtung in Szene gesetzt. Bitte denkt daran, dass nur Muslimen der Zutritt zu Moscheen gestattet ist – alle anderen dürfen die Außenansicht genießen.

  • Koutoubia-Moschee: Die Koutoubia-Moschee ist nicht nur eine der ältesten Moscheen des Landes, sondern mit seinem 77 m hohem Minarett auch der größte Sakralbau von Marrakesch. Und das Wahrzeichen der Stadt. Das macht sie natürlich auch zum Touristen-Hotspot. Wenn ihr euch den Bau ganz in Ruhe ansehen wollt, dann solltet ihr möglichst früh morgens hier vorbeischauen.
  • Moulay el Yazid Moschee: Diese Moschee, auch „Kasbah“-Moschee genannt, ist nur geringfügig kleiner als die bekannte Koutoubia-Moschee. Das geometrische Dekor des Minaretts gilt als stilbildend für spätere Moscheen. Unser Riad lag direkt in der Nähe dieser Moschee, sodass wir praktisch jeden Tag hier vorbeikamen.
    • Gleich nebenan findet ihr die Tombeaux Saadiens, Saadier-Gräber. Im Freien befinden sich 100 mit farbig gemusterten Kacheln verzierte Gräber. Die zwei Mausoleen sind besonders beeindruckend: Sie sind mit prachtvollem Stuck-, Mosaik- und Zedernholzschmuck ausgestattet.
      Geöffnet: täglich von 9.00 – 17.00 Uhr. Eintritt: 60 Dirham (etwa 6 Euro).
  • Medersa und Moschee Ben Youssef: Direkt neben der Moschee Ben Youssef liegt die Medersa, eine ehemalige Koranschule. Diese kann heute besichtigt werden. Und das solltet ihr unbedingt tun! Im Inneren findet ihr aufwendige Wand- und Bodenfliesen, Goldverzierungen und Torbögen. Dabei ist alles von Ornamenten und Geometrie geprägt – konkrete Abbildungen sucht ihr hier vergeblich.
    Geöffnet: täglich von 9:00-18:00 Uhr, Eintritt: 50 Dirham

    • Koubba el-Baadiyn: Direkt neben der Medersa findet ihr die Koubba – eine Art Kuppel, die als Grabmal dient.

Märkte und Plätze

Das Leben in Marrakesch findet draußen auf den Souks, den unzähligen Märkten in der Stadt, statt. Klassische Supermärkte oder Einkaufszentren findet ihr hier nicht. Man trifft sich an Marktständen und handelt und feilscht über die besten Produkte. Hier solltet ihr aber nicht gezielt nach etwas suchen, sondern eher zufällig etwas finden. Und dann auch beherzt zugreifen, denn einen bestimmten Stand wiederzufinden ist super schwer.

  • Jemaa el-Fna: Dieser Platz ist das lebhafte Zentrum der Medina. Seinen Namen (übersetzt: „Versammlung der Toten“) hat er durch einige Legenden bekommen. Angeblich wurden hier früher die Köpfe der Hingerichteten aufgespießt und der Menge präsentiert. Klar ist, dass schon vor vielen Jahren hier die Karawanen von berbischen, arabischen und schwarzafrikanischen Kulturen aufeinander trafen und gehandelt haben. Bis heute findet ihr dort unzählige Marktstände und könnt alles kaufen – von Lebensmitteln über Kleidung, Medikamenten, Gewürzen bis hin zum Zahnersatz. Jeden Tag um Punkt 16 Uhr werden hier Essensstände aufgebaut, bei denen ihr typische Marokkanische Spezialitäten probieren könnt.
  • Semmarine Markt: Entlang der Rue Souk Semarine findet ihr zahlreiche Spezialsouks. Wenn ihr nach etwas bestimmten sucht, dann seid ihr hier genau richtig.
  • Place des Ferblantiers: Der Platz ist eine traditionelle Adresse der Weißblechner. Hier liegen etliche Werkstätten, sodass ihr euch die dort gearbeiteten mit farbigem Glas dekorierten Lampen und Windlichter genau ansehen – und den Entstehungsprozess genau beobachten könnt.
  • Mellah Viertel: Das Mellah-Viertiel ist das ehemalige jüdische Viertel und bis heute die ärmste Gegend der Stadt. Die Straßen und Gebäude sind hier klein und abgewrackt – stecken aber voller Geschichte. Der Eingang zur Mellah ist der Gewürzsouk Souk des épices.
    • Die Synagoge Slat Al Azama mit ihrem wunderschönen gefliestem Innenhof hält eine Ausstellung zum Leben der marokkanischen Juden bereit. Direkt nebenan befindet sich der riesige jüdische Friedhof. Beides könnt ihr gegen eine kleine Spende bzw. ein Trinkgeld besichtigen.

Grüne Oasen

Marrakesch ist eine chaotische und verwirrende Stadt – mit jeder Menge Trubel. Um dem Lärm und der Unruhe zu entgehen gibt es zum Glück jede Menge Gärten und Parks, in denen ihr neue Kraft für eine Sightseeingtour sammeln könnt.

  • Jardin Majorelle: Ein Traum in Farben! 1924 vom Maler Jacques Majorelle gestaltet und 1980 durch Yves Saint Laurent im neuen Glanz erstrahlt, ist der Garten heute der Touristenhotspot in Marrakesch. Die kornblumenblauen Gebäude stehen inmitten einer grünen Oase – und machen den Garten zu einem beliebten Fotomotiv. Mitten im Garten befindet sich auch das Musée Berbère, welches als beste Ausstellung der Kulturgeschichte der Berber zählt.
    Eintritt: Garten 70 Dirham (etwa 6,50 €), Musée Berbère 30 Dirham (3 €)
  • Menara-Gärten: Schon im 12. Jahrhundert flüchteten die Sultane in den Jardins de la Menara vor der Sommerhitze. Heute sind sie ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen – für Picknicks und Spiele unter den Palmen.
  • Jardin Secret: Der Jardin Secret ist eine Fusion aus Garten‐Kunst, Architektur und einem geschickt angelegten Bewässerungs‐System arabischer Herkunft aus der Dynastie der Sultane vor mehr als 400 Jahren. Er ist Ruheoase und Kraftplatz inmitten der Medina – und ein absolutes Muss bei eurer Sightseeingtour durch Marrakesch.
    Eintritt: 60 Dirham
  • Jardin El Harti: Mitten in Guéliz, dem moderneren Teil von Marrakesch, findet ihr den El Harti Park. Der gepflegte Park ist ein Biotop für exotische Pflanzenarten und lädt zum Verweilen und Innehalten ein.

„Diese Stadt hat mich die Farbe gelehrt“

Yves Saint Laurent

Essen und Trinken

Wie ihr oben schon gelesen habt, ist Tee eine große Sache in Marokko. Typischerweise wird grüner Tee mit viel Zucker gekocht und anschließend frische Minze hinzugegeben und das Aufgießen wird richtig zelebriert. Schmeckt wirklich lecker und ist gerade bei der Hitze schön erfrischend!

Außerdem bekommt ihr an jeder Ecke frisch gepresste Säfte, die ihr euch zum teil selbst zusammenstellen dürft – für einen super günstigen Preis.

Alles, was typisch Marokkanisch ist, bekommt ihr in den Garküchen auf der Place Djemaa El Fna: Couscous, Tajines, harira (Suppe), Kefta (Hackfleischbällchen) und natürlich jede Menge frische Oliven. Das Essen dort ist hygienisch unbedenklich, ihr solltet nur darauf achten, dass das Fleisch durchgegart ist.

Wenn ihr es etwas gemütlicher mögt, dann könnt ihr auch in einem der vielen Riads essen gehen. Ein einfaches Abendessen bekommt ihr schon ab 50 Dirham, ein 3-Gänge-Menü ab ca. 150 Dirham. Viele Restaurants haben vergünstigte Mittagsangebote (déjeuner).
Achtung: Hier werden oft Vorspeisen wie Oliven oder Brot gereicht, die ihr zum Schluss aber zahlen müsst. Wenn ihr diese nicht wollt, dann lasst sie entschieden zurückgehen.

Der Koran untersagt den Muslimen den Genuss alkoholischer Getränke, deshalb findet ihr meist nur in den Touristenhotspots ein Lokal mit Alkoholausschank. Aber ein frischer Minztee ist mindestens genauso lecker 😉

Nun seid ihr gefragt: Habt ihr noch weitere Tipps rund um Marrakesch – oder unsere hier genannten Tipps schon ausprobiert? Dann erzählt uns in den Kommentaren davon. Wir freuen uns riesig, von euch zu hören!